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Gautschfest 2017 – Es wird nass!

27. Juni 2017 | Ausbildung + Karriere

Die Abschlussprüfungen sind geschrieben und die Lehre ist vorbei. Wenn die Sonne brennt und die Ferien vor der Tür stehen, ist es wieder soweit: es wird gegautscht. Zum Gautschfest werden alle Absolventen der Abschlussprüfung aus den Bereichen Druck- und Medientechnik geladen. Das sind alle Drucker und Mediengestalter. Obwohl ich bereits im Januar meinen vorgezogenen Abschluss feiern konnte, war es auch für mich an der Zeit noch den letzten Schritt zu gehen, um ein Teil der Gilde Gutenbergs und der schwarzen Kunst zu werden.

Was ist das? Was passiert da? Und warum überhaupt? Diese Fragen habe ich in den letzten Tagen nicht nur ein Mal gehört. Darum sorge ich jetzt mal für allgemeine Aufklärung!

Gautschfest? Was soll das denn sein?

Der Begriff „Gautschen“ kommt ursprünglich aus der Papierherstellung. Er bezeichnet den ersten Entwässerungsschritt nach dem Schöpfen des Papiers, das Ablegen des frisch geschöpften Papierbogens vom Sieb auf eine Filzunterlage. Im übertragenen Sinne also das Schöpfen von Lehrlingen, die den ersten Schritt gegangen sind und nun Gesellen der schwarzen Kunst sind.

Der Gautschakt selbst ist ein alter Druckerbrauch, der aus dem 15./16. Jahrhundert stammt. Es handelt sich beim Gautschfest um die Freisprechungszeremonie der Lehrlinge, die die Abschlussprüfung erfolgreich abgeschlossen haben.
Kurz: Man wird beim Gautschen von seinen Lehrsünden reingewaschen und zum Jünger Gutenbergs getauft.

Was genau passiert da?

Gegautscht wird überall ein bisschen anders. In einem sind sich jedoch alle Zeremonien gleich: Es ist nass! Und das nicht nur ein bisschen. Ich beschreibe mal kurz wie das Gautschfest bei uns an der August-Bebel-Schule abläuft.

Bei bestem Wetter haben wir uns dieses Jahr im Garten der Berufsschule versammelt. Der Bottich war aufgestellt und gut gefüllt, das Bier gekühlt und der Grill heiß. Um 14 Uhr ging es los. Der Gautschmeister, der Schwammhalter (in unserem Fall der Eimerhalter) und die Packer traten vor. Nach der Besten-Ehrung und einleitenden Worten ging es schon zur Sache.
Die Worte des Gautschmeisters:

Pakkt an! Lasst seinen Corpus Posteriorum fallen auf diesen nassen Schwamm bis triefen seine beide Ballen. Der durstigen Seele gebt ein Sturtzbad oben-drauf, das ist dem Sohne Gutenbergs die beste Tauff.

Noch ein “Pakkt an!” und der erste Gautschling musste vortreten.
Zuerst setzt man sich auf einen nassen Schwamm. Bevor man groß darüber nachdenken kann, wie eklig das eigentlich ist, klatscht einem schon ein Eimer Wasser ins Gesicht. Und während man diesen Schock noch verarbeitet, wird man auch schon an Armen und Beinen gepackt und tief in die Wasserbütte getaucht. Nach wenigen Minuten ist auch schon alles vorbei und der Nächste ist dran.

    Danach stellen sich alle Täuflinge in einem Halbkreis auf und erhalten nach dem Schwur, ab jetzt keine Fehler mehr zu machen, Ihren Gautschbrief und das Abschlusszeugnis.

    Warum der ganze Aufwand?

    Es ist eine uralte Tradition, dass man von den Sünden, die man in der Lehrzeit begangen hat, reingewaschen wird. Das gibt es nur bei den Druckern und Mediengestaltern und es macht mich schon ein bisschen stolz, dass ich ein kleiner Teil dieser Tradition sein darf. Und was am wichtigsten ist: Es macht riesigen Spaß! Nachdem nämlich alle Absolventen gegautscht wurden, waren die Lehrer und Ausbilder dran. Wir konnten also auch mal was zurück geben.

    Mit Bratwurst und Bier konnten wir danach noch ordentlich mit Lehrern, Familie und Freunden feiern. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr, wenn die nächsten Lehrlinge das Erbe Gutenbergs antreten und es wieder heißt: Pakkt an!

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    Gautschfest 2017 – Es wird nass!

    27. Juni 2017 | Ausbildung + Karriere

    Die Abschlussprüfungen sind geschrieben und die Lehre ist vorbei. Wenn die Sonne brennt und die Ferien vor der Tür stehen, ist es wieder soweit: es wird gegautscht. Zum Gautschfest werden alle Absolventen der Abschlussprüfung aus den Bereichen Druck- und Medientechnik geladen. Das sind alle Drucker und Mediengestalter. Obwohl ich bereits im Januar meinen vorgezogenen Abschluss feiern konnte, war es auch für mich an der Zeit noch den letzten Schritt zu gehen, um ein Teil der Gilde Gutenbergs und der schwarzen Kunst zu werden.

    Was ist das? Was passiert da? Und warum überhaupt? Diese Fragen habe ich in den letzten Tagen nicht nur ein Mal gehört. Darum sorge ich jetzt mal für allgemeine Aufklärung!

    Gautschfest? Was soll das denn sein?

    Der Begriff „Gautschen“ kommt ursprünglich aus der Papierherstellung. Er bezeichnet den ersten Entwässerungsschritt nach dem Schöpfen des Papiers, das Ablegen des frisch geschöpften Papierbogens vom Sieb auf eine Filzunterlage. Im übertragenen Sinne also das Schöpfen von Lehrlingen, die den ersten Schritt gegangen sind und nun Gesellen der schwarzen Kunst sind.

    Der Gautschakt selbst ist ein alter Druckerbrauch, der aus dem 15./16. Jahrhundert stammt. Es handelt sich beim Gautschfest um die Freisprechungszeremonie der Lehrlinge, die die Abschlussprüfung erfolgreich abgeschlossen haben.
    Kurz: Man wird beim Gautschen von seinen Lehrsünden reingewaschen und zum Jünger Gutenbergs getauft.

    Was genau passiert da?

    Gegautscht wird überall ein bisschen anders. In einem sind sich jedoch alle Zeremonien gleich: Es ist nass! Und das nicht nur ein bisschen. Ich beschreibe mal kurz wie das Gautschfest bei uns an der August-Bebel-Schule abläuft.

    Bei bestem Wetter haben wir uns dieses Jahr im Garten der Berufsschule versammelt. Der Bottich war aufgestellt und gut gefüllt, das Bier gekühlt und der Grill heiß. Um 14 Uhr ging es los. Der Gautschmeister, der Schwammhalter (in unserem Fall der Eimerhalter) und die Packer traten vor. Nach der Besten-Ehrung und einleitenden Worten ging es schon zur Sache.
    Die Worte des Gautschmeisters:

    Pakkt an! Lasst seinen Corpus Posteriorum fallen auf diesen nassen Schwamm bis triefen seine beide Ballen. Der durstigen Seele gebt ein Sturtzbad oben-drauf, das ist dem Sohne Gutenbergs die beste Tauff.

    Noch ein “Pakkt an!” und der erste Gautschling musste vortreten.
    Zuerst setzt man sich auf einen nassen Schwamm. Bevor man groß darüber nachdenken kann, wie eklig das eigentlich ist, klatscht einem schon ein Eimer Wasser ins Gesicht. Und während man diesen Schock noch verarbeitet, wird man auch schon an Armen und Beinen gepackt und tief in die Wasserbütte getaucht. Nach wenigen Minuten ist auch schon alles vorbei und der Nächste ist dran.

      Danach stellen sich alle Täuflinge in einem Halbkreis auf und erhalten nach dem Schwur, ab jetzt keine Fehler mehr zu machen, Ihren Gautschbrief und das Abschlusszeugnis.

      Warum der ganze Aufwand?

      Es ist eine uralte Tradition, dass man von den Sünden, die man in der Lehrzeit begangen hat, reingewaschen wird. Das gibt es nur bei den Druckern und Mediengestaltern und es macht mich schon ein bisschen stolz, dass ich ein kleiner Teil dieser Tradition sein darf. Und was am wichtigsten ist: Es macht riesigen Spaß! Nachdem nämlich alle Absolventen gegautscht wurden, waren die Lehrer und Ausbilder dran. Wir konnten also auch mal was zurück geben.

      Mit Bratwurst und Bier konnten wir danach noch ordentlich mit Lehrern, Familie und Freunden feiern. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr, wenn die nächsten Lehrlinge das Erbe Gutenbergs antreten und es wieder heißt: Pakkt an!

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      Kersey Steffan

      Hello, ich bin Kersey und ich bin seit Februar 2017 Teil des Marketing-Teams bei Herth+Buss. Nach me ...

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