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Wie sich freie Werkstätten für die Elektromobilität rüsten können

6. Februar 2019 | Branche + Mehr

Zugegeben: Die Elektromobilität wartet in Deutschland noch auf den ganz großen Durchbruch. Doch die Zulassungszahlen zeigen: Es tut sich was. 2018 stieg die Anzahl der Neuzulassungen von Elektro- und Hybrid-Pkw gegenüber dem Vorjahr um über 51 Prozent. Freie KFZ-Werkstätten sollten deshalb schon jetzt handeln, um von der Entwicklung nicht irgendwann überrollt zu werden.

Angesichts der marginal erscheinenden Anzahl an Stromern auf deutschen Straßen wähnen sich viele Kfz-Werkstätten in einer komfortablen Situation. Frei nach dem beliebten Motto: „Never touch a running system“. Auch weil technische Veränderungen immer mit einer gewissen Reaktionszeit bei den Kfz-Werkstätten, vor allem den freien Werkstätten ankommen, sehen viele Werkstatt-Unternehmer noch weiterhin keinen Handlungsbedarf.

Immer mehr Werkstätten lassen sich zertifizieren

Doch viele Betriebe haben bereits reagiert und sich laut einer Studie des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) als “Fachbetrieb für Hybrid- und Elektrofahrzeuge” zertifizieren lassen – und zwar immerhin 41 Prozent. Als Beweggründe geben sie in erster Linie die Profilierung des eigenen Betriebes, Marketingzwecke und Neukundengewinnung an (80 Prozent). Zusätzlicher Umsatz und gesteigerte Kundenzufriedenheit folgen als weitere Ziele.

Auch wenn viele vermeintliche Experten düstere Szenarien an die Wand malen: Die ganz große Katastrophe dürfte in der Branche ausbleiben. Zumindest dann, wenn Werkstätten die Herausforderung E-Mobilität auch wirklich annehmen.

Weniger Arbeit durch Elektromobilität?

Aufgrund der einfacheren Technik von Elektroautos und dem Wegfall der verbrennungsmotorischen Bauteile sowie des mechanischen Antriebsstrangs werden Arbeiten wie etwa der Motorölwechsel wegfallen. Dadurch wird vor allem das Reparaturgeschäft deutlich abnehmen. Verglichen mit Pkw mit herkömmlichem Verbrennungsmotor sollen sich laut einer aktuellen Studie die gesamten Arbeitswerte im Bereich der Wartung und der Reparaturen bei E-Autos aber „nur“ um rund 13 Prozent reduzieren.

Die Arbeit an Elektroautos ist – aus gutem Grund – stark reguliert. Schließlich verlangt sie spezielle Technikkenntnisse und Qualifikationen. Der klassische Mechaniker darf deshalb ohne Einweisung nicht einmal einen Radwechsel vornehmen. Das liegt am Hochvoltsystem der Stromer, das für die Aufladung der Batterien und das Antriebssystem verantwortlich ist: Während eine normale Starterbatterie gerade einmal 12 Volt Spannung aufweist, sind es bei E-Auto-Batterien nämlich über 300 Volt. Der falsche Umgang mit dem Hochvoltsystem von Elektroautos kann daher tödlich sein.

Die drei Qualifizierungsstufen

Es werden drei Qualifizierungsstufen unterschieden:

Stufe 1:
Eine „elektrotechnisch unterwiesene Person für Arbeiten an Kraftfahrzeugen mit Hochvoltsystemen“ darf laut dem „Schaufenster Elektromobilität“, der Elektromobilitätsinitiative der Bundesregierung, Arbeiten an spannungsfreien Fahrzeugen (nicht Hochvoltsystemen) durchführen. Zudem dürfen derartig geschulte Personen Mess- und Diagnose-Arbeiten „an Fahrzeugen unter Spannung ohne Gefahr der Berührung von Hochvoltteilen“ vornehmen. Der Schulungsumfang beläuft sich auf 0,5 bis 2 Unterrichtseinheiten.

Stufe 2:
Eine Elektrofachkraft für Hochvoltsysteme in Kraftfahrzeugen darf darüber hinaus Elektro-Pkw spannungsfrei schalten, entsprechende Fahrzeuge in Betrieb nehmen und auch Diagnose-Arbeiten an Fahrzeugen unter Spannung (keine Hochvoltsysteme) vornehmen. Der Schulungsumfang beläuft sich auf 48 Unterrichtseinheiten inkl. eines Praxisanteils.

Stufe 3:
Mit sieben zusätzlichen Unterrichtseinheiten und eines weiteren Praxisanteils können sich Kfz-Profis als Elektrofachkräfte für Hochvoltsysteme in Kraftfahrzeugen qualifizieren. Dann dürfen diese auch Arbeiten am Hochvoltsystem von Elektroautos vornehmen.

Neben der notwendigen Qualifizierung der Mitarbeiter in Werkstätten ergeben sich auch neue Anforderungen an die technische Ausstattung der Werkstätten. Werkstatt-Betreiber müssen mindestens mit Investitionen im niedrigen fünfstelligen Bereich rechnen. Laut dem „Schaufenster Elektromobilität“ sind einmalige Investitionskosten von rund 10.000 Euro in der Basisvariante für die Durchführung von Wartungs- und Reparaturarbeiten an Elektrofahrzeugen zu erwarten. Benötigt werden hier neben der sicherheitstechnischen Ausrüstung sowie speziellen Werkzeugen eine Ladestation und gegebenenfalls eine Hubvorrichtung zum Austauschen des Batteriepacks.

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Wie sich freie Werkstätten für die Elektromobilität rüsten können

6. Februar 2019 | Branche + Mehr

Zugegeben: Die Elektromobilität wartet in Deutschland noch auf den ganz großen Durchbruch. Doch die Zulassungszahlen zeigen: Es tut sich was. 2018 stieg die Anzahl der Neuzulassungen von Elektro- und Hybrid-Pkw gegenüber dem Vorjahr um über 51 Prozent. Freie KFZ-Werkstätten sollten deshalb schon jetzt handeln, um von der Entwicklung nicht irgendwann überrollt zu werden.

Angesichts der marginal erscheinenden Anzahl an Stromern auf deutschen Straßen wähnen sich viele Kfz-Werkstätten in einer komfortablen Situation. Frei nach dem beliebten Motto: „Never touch a running system“. Auch weil technische Veränderungen immer mit einer gewissen Reaktionszeit bei den Kfz-Werkstätten, vor allem den freien Werkstätten ankommen, sehen viele Werkstatt-Unternehmer noch weiterhin keinen Handlungsbedarf.

Immer mehr Werkstätten lassen sich zertifizieren

Doch viele Betriebe haben bereits reagiert und sich laut einer Studie des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) als “Fachbetrieb für Hybrid- und Elektrofahrzeuge” zertifizieren lassen – und zwar immerhin 41 Prozent. Als Beweggründe geben sie in erster Linie die Profilierung des eigenen Betriebes, Marketingzwecke und Neukundengewinnung an (80 Prozent). Zusätzlicher Umsatz und gesteigerte Kundenzufriedenheit folgen als weitere Ziele.

Auch wenn viele vermeintliche Experten düstere Szenarien an die Wand malen: Die ganz große Katastrophe dürfte in der Branche ausbleiben. Zumindest dann, wenn Werkstätten die Herausforderung E-Mobilität auch wirklich annehmen.

Weniger Arbeit durch Elektromobilität?

Aufgrund der einfacheren Technik von Elektroautos und dem Wegfall der verbrennungsmotorischen Bauteile sowie des mechanischen Antriebsstrangs werden Arbeiten wie etwa der Motorölwechsel wegfallen. Dadurch wird vor allem das Reparaturgeschäft deutlich abnehmen. Verglichen mit Pkw mit herkömmlichem Verbrennungsmotor sollen sich laut einer aktuellen Studie die gesamten Arbeitswerte im Bereich der Wartung und der Reparaturen bei E-Autos aber „nur“ um rund 13 Prozent reduzieren.

Die Arbeit an Elektroautos ist – aus gutem Grund – stark reguliert. Schließlich verlangt sie spezielle Technikkenntnisse und Qualifikationen. Der klassische Mechaniker darf deshalb ohne Einweisung nicht einmal einen Radwechsel vornehmen. Das liegt am Hochvoltsystem der Stromer, das für die Aufladung der Batterien und das Antriebssystem verantwortlich ist: Während eine normale Starterbatterie gerade einmal 12 Volt Spannung aufweist, sind es bei E-Auto-Batterien nämlich über 300 Volt. Der falsche Umgang mit dem Hochvoltsystem von Elektroautos kann daher tödlich sein.

Die drei Qualifizierungsstufen

Es werden drei Qualifizierungsstufen unterschieden:

Stufe 1:
Eine „elektrotechnisch unterwiesene Person für Arbeiten an Kraftfahrzeugen mit Hochvoltsystemen“ darf laut dem „Schaufenster Elektromobilität“, der Elektromobilitätsinitiative der Bundesregierung, Arbeiten an spannungsfreien Fahrzeugen (nicht Hochvoltsystemen) durchführen. Zudem dürfen derartig geschulte Personen Mess- und Diagnose-Arbeiten „an Fahrzeugen unter Spannung ohne Gefahr der Berührung von Hochvoltteilen“ vornehmen. Der Schulungsumfang beläuft sich auf 0,5 bis 2 Unterrichtseinheiten.

Stufe 2:
Eine Elektrofachkraft für Hochvoltsysteme in Kraftfahrzeugen darf darüber hinaus Elektro-Pkw spannungsfrei schalten, entsprechende Fahrzeuge in Betrieb nehmen und auch Diagnose-Arbeiten an Fahrzeugen unter Spannung (keine Hochvoltsysteme) vornehmen. Der Schulungsumfang beläuft sich auf 48 Unterrichtseinheiten inkl. eines Praxisanteils.

Stufe 3:
Mit sieben zusätzlichen Unterrichtseinheiten und eines weiteren Praxisanteils können sich Kfz-Profis als Elektrofachkräfte für Hochvoltsysteme in Kraftfahrzeugen qualifizieren. Dann dürfen diese auch Arbeiten am Hochvoltsystem von Elektroautos vornehmen.

Neben der notwendigen Qualifizierung der Mitarbeiter in Werkstätten ergeben sich auch neue Anforderungen an die technische Ausstattung der Werkstätten. Werkstatt-Betreiber müssen mindestens mit Investitionen im niedrigen fünfstelligen Bereich rechnen. Laut dem „Schaufenster Elektromobilität“ sind einmalige Investitionskosten von rund 10.000 Euro in der Basisvariante für die Durchführung von Wartungs- und Reparaturarbeiten an Elektrofahrzeugen zu erwarten. Benötigt werden hier neben der sicherheitstechnischen Ausrüstung sowie speziellen Werkzeugen eine Ladestation und gegebenenfalls eine Hubvorrichtung zum Austauschen des Batteriepacks.

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