Hochvolt-Qualifikation: So werden Kfz-Profis fit für die Elektromobilität

12. Feb 2020 | Branche + Mehr

Das Thema Elektromobilität spaltet die Experten. Sind E-Autos wirklich die einzige Alternative, um CO2-neutral zu werden? Bei Betrachtung der kompletten Umweltbilanz – also inklusive der Herstellung von Batterien – dürfen Zweifel zumindest erlaubt sein. Dennoch: Seit einigen Jahren steigen die Zulassungszahlen von E-Autos und Hybrid-Fahrzeugen stark.

Mit 63.281 reinen Elektroautos und 239.250 Hybrid-Fahrzeugen wurden 2019 in Deutschland so viele Stromer wie noch nie neu zugelassen. Elektrisch angetriebene Autos kamen im letzten Jahr immerhin auf einen Anteil von 1,8 Prozent aller Neuzulassungen, Hybride auf 6,6 Prozent. Gleichzeitig wollen Unternehmen wie Volkswagen, Daimler oder Volvo die Entwicklung an der Verbrenner-Technologie stoppen oder haben das bereits getan. Ein Grund mehr für Werkstätten, das Thema Elektromobilität auf dem Zettel zu haben.

Zukunftsmusik Elektromobilität

Auch wenn es eine Wette auf die Zukunft ist: Freie Kfz-Werkstätten sollten sich damit befassen. Sei es um zusätzliche Umsätze zu generieren, möglicherweise wegbrechende Umsätze zu kompensieren oder um sich einfach als besonders leistungsfähige Betriebe zu profilieren. Vor allem im Bereich der Mitarbeiter-Qualifikation in Bezug auf Hochvolt-Systeme, müssen freie Werkstätten aktiv werden. 

Schließlich darf der klassische Kfz-Mechatroniker ohne eine spezielle Qualifikation nicht einmal einen Radwechsel an Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen vornehmen oder das Auto in die Werkstatt fahren.

Fortbildung für den Werkstattbeirat

Werkstatt-Mitarbeiter können sich im Rahmen spezieller Lehrgänge für das fachgerechte und sichere Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvolt-Systemen und deren Komponenten qualifizieren lassen. Gemeinsam mit dem Trainingszentrum Saar organisierten wir beispielsweise im Januar eine Hochvolt-Schulung für unseren Werkstattbeirat. Ihr habt noch nie von unserem Werkstattbeirat gehört? Dann schaut euch doch mal diesen Blogbeitrag an: https://herthundbuss.com/services/unser-werkstattbeirat/. Dank dieser Zusatzqualifikation können die Mitglieder des Werkstattbeirats nun allgemeine Arbeiten an Hybridfahrzeugen und anderen Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen (HV-Fahrzeugen) durchführen.

Außerdem dürfen die Teilnehmer ihr Wissen an die Kollegen in den Kfz-Werkstätten und Karosseriefachbetrieben unterweisen. Damit sind auch diese berechtigt, unterstützende Tätigkeiten an HV-Systemen unter Aufsicht durchzuführen. Eine Hochvolt-Schulung lohnt sich also immer!

 

„Der Hochvoltlehrgang war sehr gut. Durch das erworbene Wissen können wir nun beruhigt die Sache angehen. Wir hatten schon die ersten Fahrzeuge zum Umbau / Nachrüsten von elektrischen Anlagen am HV Fahrzeug. Und es geht auch schon munter weiter, die nächsten Anfragen für Aufbauten auf Hybrid- LKW sind die Tage eingetrudelt. Hätte nicht gedacht das wir im Fahrzeugbau so schnell mit dem Thema in Verbindung kommen. Mal sehen wann die ersten Nutzfahrzeuge zur Reparatur hier aufschlagen. Ist durch die organisierte Schulung von euch und dem Trainingszentrum Saar nun ja kein Problem mehr.”

Daniel Urban

Noch mehr Informationen rund um die Schulung, könnt ihr auf der Webseite des Trainingszentrums Saar finden.

Karriereleiter Hochvolt

In der DGUV Information 200-005 „Qualifizierung für Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ist festgelegt, dass alle Mitarbeiter, die an Hochvoltfahrzeugen arbeiten, eine zusätzliche Qualifikation haben müssen. Unterschieden werden drei Stufen.

Erst nach der ersten Stufe dürfen Werkstatt-Mitarbeiter Arbeiten an Kraftfahrzeugen, die mit einem Hochvoltsystem ausgerüstet sind, durchführen – solange diese spannungsfrei geschaltet sind.
Wer Stufe zwei absolviert hat, darf bei Fahrzeugen mit Hochvoltsystem umfassendere Arbeiten vornehmen. Das heißt Elektro-PKW spannungsfrei schalten, entsprechende Fahrzeuge in Betrieb nehmen und auch Diagnose-Arbeiten durchführen.
Kfz-Profis mit Qualifikationsstufe drei, dürfen auch Arbeiten unter Spannung und Arbeiten in der Nähe berührbarer, unter Spannung stehender Teile in HV-Systemen durchführen.

Stufe 1

Nichtelektronische Arbeiten

  • Testfahrten
  • Karosseriearbeiten
  • Öl-, Radwechsel
Stufe 2

Spannungsfreiheit herstellen, Elektronische Arbeiten im spannungsfreien Zustand

  • Freischalten
  • Gegen Wiedereinschalten sichern
  • Spannungsfreiheit feststellen
  • Tausch von Hochvolt-Komponenten
  • Stecker ziehen + Komponententausch
    (z.B. DC/DC-Wandler, elektrische Klimaanlage)
Stufe 3

Arbeiten unter Spannung am HV-System und Abreiten in der Nähe berührbarer, unter Spannung stehender Teile

  • Fehlersuche
  • Bauteile unter Spannung wechseln

Stufe drei der Fortbildungspyramide richtet sich vor allem an Mitarbeiter von Werkstätten, die bereits über einen professionellen HV-Arbeitsplatz verfügen, für den ein höherer Invest nötig ist. Bei einem solchen werden schnell Investitionen im niedrigen fünfstelligen Bereich fällig. Laut dem „Schaufenster Elektromobilität“, einer Initiative der Bundesregierung, sind einmalige Investitionskosten von rund 10.000 Euro in der Basisvariante für die Durchführung von Wartungs- und Reparaturarbeiten an E-Fahrzeugen zu erwarten.

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