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Deutschland versinkt im Stau

10. Dez 2019 | Branche + Mehr

Wer ist schuld am täglichen Chaos und welche Auswege aus dem Stau gibt es?
Kurz vor Weihnachten beginnen in Deutschland wieder die Weihnachtsferien. Doch bei aller weihnachtlicher Behaglichkeit bedeuten die Weihnachtsferien auch wieder volle Straßen und zahlreiche Staus. Und selbst in der ferienfreien Zeit drängt sich der Eindruck auf, dass es auf deutschen Straßen immer voller wird. Doch wer oder was ist eigentlich schuld am täglichen Chaos im „Stauland Deutschland“ und welche Auswege aus der Staufalle könnte es geben?

Gefühlt jeden Tag stehen zehntausende Pendler, LKW-Fahrer und Urlauber auf deutschen Straßen im Stau. Doch entspricht dieses Gefühl überhaupt der Wahrheit? Fakt ist, dass es laut einer Zählung des ADAC im Jahr 2018 auf deutschen Straßen 745.000 registrierte Staus gab. Im Vergleich zu 2017 hat man damit noch einmal um drei Prozent zugelegt und gleichzeitig einen neuen Rekordwert hingelegt. Das bedeutet, dass es am Tag mehr als 2.000 Staus in der Bundesrepublik gibt.

Rund 459.000 Stunden verbrachten Autofahrer hierzulande im Stillstand oder im Stop-and-Go-Modus. Die aufsummierte Länge der Blechlawine betrug 2018 ca. 1,5 Millionen Kilometer. Damit ist ein Zuwachs bei der Gesamtstaulänge im Vergleich zum Vorjahr von rund fünf Prozent zu verzeichnen.

Baustellen als Hauptgrund für Staus?

Die Gründe dafür sieht die Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) vor allem in einem leichten Anstieg der Länge der im Auto zurückgelegten Fahrten sowie in einem leichten Zuwachs bei der Zahl der Baustellen auf deutschen Straßen (+3 % gegenüber 2017). Das zeigt auch, dass sich das Dauerthema „Baustellen“ wohl nie aus den Diskussionen verabschieden wird. Baustellen hemmen den Verkehrsfluss gewaltig, aber sie sind nun einmal nötig, um die belasteten Autobahnen und Straßen instand zusetzen und nicht noch weiter kollabieren zu lassen. Hier braucht es ein effizienteres Baustellenmanagement, um die Belastungen für die Verkehrsteilnehmer so gering wie nur möglich zu halten.

Aber sind wir nun das Stauland Nr. 1 in Europa? Die kurze Antwort lautet: Nein. Die etwas längere: Tatsächlich ist Deutschland in der Spitzengruppe vorne mit dabei. Geht man nach den Stunden, die Autofahrer in der Bundesrepublik im Stau stehen, so sind wir europaweit auf Platz 3 zu finden, hinter Belgien und den Niederlanden und fast gleichauf mit Frankreich. Verhältnismäßig viel Stau gibt es zudem in Großbritannien, Luxemburg und auch in Italien. In dieser Liste finden sich vor allem Transitländer, wie Deutschland oder Luxemburg, aber auch Länder, die wichtige Zugänge zu stark frequentierten Häfen haben. Warum das ein Problem ist? In diesen Ländern gibt es besonders viel Schwerlastverkehr, der die Straßen stark belastet und deshalb gibt es hier auch besonders viele Baustellen, die dann immer wieder zu Staus führen.

Allheilmittel Tempolimit?

Seit Jahrzehnten streiten sich Politiker, Verbände und Bürger hierzulande in schöner Regelmäßigkeit über die Einführung von einem Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen. Bislang konnte hier keine Einigung erzielt werden. Weder Argumente für mehr Klimafreundlichkeit, noch für weniger Unfälle konnten eine Wende bei diesem Thema herbeiführen. Deutschland ist das einzige Land in Europa, das kein generelles Tempolimit auf Autobahnen hat.

Doch welchen Einfluss hätte ein allgemein gültiges Tempolimit? Experten, die für ein Tempolimit sind, verweisen vor allem auf Geschwindigkeitsunterschiede, die zu Staus führen können: „Je höher die gefahrene Geschwindigkeit und je höher die Geschwindigkeitsdifferenzen sind, desto stärker treten Störungen des Verkehrsflusses auf“, sagte Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland dem „Handelsblatt“. Stauforscher Martin Treiber von der TU Dresden ergänzt: „Ein unbedachtes Fahrmanöver – etwa ein abrupter Spurwechsel – führt dazu, dass der nachfolgende Pkw bremsen muss – und der nächste mit entsprechender Reaktions- und Bremszeit-Verzögerung noch stärker und so weiter. Damit wird oft eine Stauwelle ausgelöst, die sich mit 15 Kilometern pro Stunde nach hinten fortpflanzt. In diesen Stauwellen kommt der Verkehr zeitweise vollkommen zum Stillstand.“

Ist ein generelles Tempolimit also tatsächlich die Lösung?

Vermutlich nicht  – das Problem: Laut ADAC sind bereits heute rund 30 Prozent des deutschen Autobahnnetzes dauerhaft oder zeitweise geschwindigkeitsbeschränkt. Und dennoch nehmen Staus weiter zu. Ein Allheilmittel scheint ein generelles Tempolimit also nicht zu sein. Der Stauforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen hat eine klare Meinung: „Ein Tempolimit ist nicht zielführend“, so Schreckenberg gegenüber der „Deutschen Nachrichten Agentur“ (dpa). Der Verkehrsexperte hält geregelte Geschwindigkeitsbeschränkungen für sinnvoller. Nämlich dann, wenn der Verkehr dichter wird, und zwar durch variable Anzeigen.

Klar ist, dass das Verkehrschaos in Deutschland nicht von heute auf morgen gelöst werden wird. Solange müssen Autofahrer also weiterhin viel Geduld mitbringen. Auch in den Weihnachtsferien.

 

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Herth+Buss Gastautor

Die Stimmen aus dem Off – auch wir als Gastautoren sorgen auf dem Herth+Buss Unternehmensblog für interessante Beiträge! Aus unserer Feder stammen Texte, die das Gesch ...

Deutschland versinkt im Stau

10. Dezember 2019

Wer ist schuld am täglichen Chaos und welche Auswege aus dem Stau gibt es?
Kurz vor Weihnachten beginnen in Deutschland wieder die Weihnachtsferien. Doch bei aller weihnachtlicher Behaglichkeit bedeuten die Weihnachtsferien auch wieder volle Straßen und zahlreiche Staus. Und selbst in der ferienfreien Zeit drängt sich der Eindruck auf, dass es auf deutschen Straßen immer voller wird. Doch wer oder was ist eigentlich schuld am täglichen Chaos im „Stauland Deutschland“ und welche Auswege aus der Staufalle könnte es geben?

Gefühlt jeden Tag stehen zehntausende Pendler, LKW-Fahrer und Urlauber auf deutschen Straßen im Stau. Doch entspricht dieses Gefühl überhaupt der Wahrheit? Fakt ist, dass es laut einer Zählung des ADAC im Jahr 2018 auf deutschen Straßen 745.000 registrierte Staus gab. Im Vergleich zu 2017 hat man damit noch einmal um drei Prozent zugelegt und gleichzeitig einen neuen Rekordwert hingelegt. Das bedeutet, dass es am Tag mehr als 2.000 Staus in der Bundesrepublik gibt.

Rund 459.000 Stunden verbrachten Autofahrer hierzulande im Stillstand oder im Stop-and-Go-Modus. Die aufsummierte Länge der Blechlawine betrug 2018 ca. 1,5 Millionen Kilometer. Damit ist ein Zuwachs bei der Gesamtstaulänge im Vergleich zum Vorjahr von rund fünf Prozent zu verzeichnen.

Baustellen als Hauptgrund für Staus?

Die Gründe dafür sieht die Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) vor allem in einem leichten Anstieg der Länge der im Auto zurückgelegten Fahrten sowie in einem leichten Zuwachs bei der Zahl der Baustellen auf deutschen Straßen (+3 % gegenüber 2017). Das zeigt auch, dass sich das Dauerthema „Baustellen“ wohl nie aus den Diskussionen verabschieden wird. Baustellen hemmen den Verkehrsfluss gewaltig, aber sie sind nun einmal nötig, um die belasteten Autobahnen und Straßen instand zusetzen und nicht noch weiter kollabieren zu lassen. Hier braucht es ein effizienteres Baustellenmanagement, um die Belastungen für die Verkehrsteilnehmer so gering wie nur möglich zu halten.

Aber sind wir nun das Stauland Nr. 1 in Europa? Die kurze Antwort lautet: Nein. Die etwas längere: Tatsächlich ist Deutschland in der Spitzengruppe vorne mit dabei. Geht man nach den Stunden, die Autofahrer in der Bundesrepublik im Stau stehen, so sind wir europaweit auf Platz 3 zu finden, hinter Belgien und den Niederlanden und fast gleichauf mit Frankreich. Verhältnismäßig viel Stau gibt es zudem in Großbritannien, Luxemburg und auch in Italien. In dieser Liste finden sich vor allem Transitländer, wie Deutschland oder Luxemburg, aber auch Länder, die wichtige Zugänge zu stark frequentierten Häfen haben. Warum das ein Problem ist? In diesen Ländern gibt es besonders viel Schwerlastverkehr, der die Straßen stark belastet und deshalb gibt es hier auch besonders viele Baustellen, die dann immer wieder zu Staus führen.

Allheilmittel Tempolimit?

Seit Jahrzehnten streiten sich Politiker, Verbände und Bürger hierzulande in schöner Regelmäßigkeit über die Einführung von einem Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen. Bislang konnte hier keine Einigung erzielt werden. Weder Argumente für mehr Klimafreundlichkeit, noch für weniger Unfälle konnten eine Wende bei diesem Thema herbeiführen. Deutschland ist das einzige Land in Europa, das kein generelles Tempolimit auf Autobahnen hat.

Doch welchen Einfluss hätte ein allgemein gültiges Tempolimit? Experten, die für ein Tempolimit sind, verweisen vor allem auf Geschwindigkeitsunterschiede, die zu Staus führen können: „Je höher die gefahrene Geschwindigkeit und je höher die Geschwindigkeitsdifferenzen sind, desto stärker treten Störungen des Verkehrsflusses auf“, sagte Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland dem „Handelsblatt“. Stauforscher Martin Treiber von der TU Dresden ergänzt: „Ein unbedachtes Fahrmanöver – etwa ein abrupter Spurwechsel – führt dazu, dass der nachfolgende Pkw bremsen muss – und der nächste mit entsprechender Reaktions- und Bremszeit-Verzögerung noch stärker und so weiter. Damit wird oft eine Stauwelle ausgelöst, die sich mit 15 Kilometern pro Stunde nach hinten fortpflanzt. In diesen Stauwellen kommt der Verkehr zeitweise vollkommen zum Stillstand.“

Ist ein generelles Tempolimit also tatsächlich die Lösung?

Vermutlich nicht  – das Problem: Laut ADAC sind bereits heute rund 30 Prozent des deutschen Autobahnnetzes dauerhaft oder zeitweise geschwindigkeitsbeschränkt. Und dennoch nehmen Staus weiter zu. Ein Allheilmittel scheint ein generelles Tempolimit also nicht zu sein. Der Stauforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen hat eine klare Meinung: „Ein Tempolimit ist nicht zielführend“, so Schreckenberg gegenüber der „Deutschen Nachrichten Agentur“ (dpa). Der Verkehrsexperte hält geregelte Geschwindigkeitsbeschränkungen für sinnvoller. Nämlich dann, wenn der Verkehr dichter wird, und zwar durch variable Anzeigen.

Klar ist, dass das Verkehrschaos in Deutschland nicht von heute auf morgen gelöst werden wird. Solange müssen Autofahrer also weiterhin viel Geduld mitbringen. Auch in den Weihnachtsferien.

 

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